Gedanken zum 4. Sonntag in der Osterzeit
Zum 4. Ostersonntag ( Joh 10,11-18)
Ich feiere mein Goldenes Priesterjubiläum auch in meiner Heimatpfarrkirche, in der ich die Priesterweihe empfing – allein.
Vor 50 Jahren lag ich hier ausgestreckt am Kirchenboden im Gebet um den Hl. Geist – ich sollte ein Geistlicher werden – so nannte man damals die Priester. Es folgten Handauflegung, Salbung und Sendung durch den Bischof – Nachfolger der Apostel, Gesandter von Jesus.
Es waren diese 50 Jahre schöne, erfüllte und spannende Jahre. Rückblickend würde ich mich heute leichter als damals für diesen Beruf zur Verfügung stellen.
In vier Stationen vollzog sich das priesterliche Wirken.
In Graz war ich zwölf Jahre Erzieher in unserem Internat für den Ordensnachwuchs und pragmatisierter Religionslehrer am Gymnasium.
Dann war ich zehn Jahre Kaplan in Wien-Favoriten und Religionslehrer am Ettenreichgymnasiun. Viele Jugendgruppen durfte ich führen und begleiten. (Manchmal recht abenteuerlich!)
Dazwischen war ich ein Jahr als Militärseelsorger der österreichischen UNO -Truppen auf den Golanhöhen – eine sehr fruchtbare Tätigkeit.
Dann wurde es Zeit, Pfarrer zu werden – in der Wallfahrtskirche Mariahilf. Dazu kann die schulische Aufgabe eines Fachinspektors für Religion an AHS in Wien.
Mit einer Schulklasse konnte ich für Obdachlose die Gruft ins Leben rufen.
Aus Nachwuchsmangel gab unser Orden Mariahilf auf und berief mich als Kaplan nach Kaisermühlen. Mit knirschenden Zähnen folgte ich gehorsam diesem Ruf. Und hier erhielt ich sofort den Auftrag, in der neu geplanten Donaucity Kirche und Gemeinde aufzubauen. Ein Glücksfall.
In diesen 50 Jahren fand in der Kirche, angestoßen durch das Konzil, ein großer Wandel statt. Auch in der Dorfgemeinde. Die Selbstverständlichkeit von “gläubig und katholisch” ging zu Ende.
Zu Ende ging aber auch viel Starre und viele Einschränkungen z. B. Latein als Gottesdienstsprache, Kommunion nur nach Beichte und „Nüchternheit“ (=vorher kein Essen); die Rolle der Laien wurde betont, die Rollenverteilung beim Gottesdienst kam.
„Kirche“ war Papst, Bischof und Pfarrer – Kirche ist nun das Volk Gottes. Das brachte bewussteren Glauben, aber auch Auswanderung. Kirchliche Menschen geraten immer mehr zu einer Kontrastgesellschaft: Reine Diesseitsverhaftetheit gegenüber Glaube, Hoffnung, Liebe. 70% der Österreicher glauben nicht mehr an die Auferstehung. Flaches, banales Leben gegenüber von Leben aus der Seele. Nicht mehr Kirchenrecht und Kirchenordnung sind maßgeblich, sondern der persönliche Blick auf Jesus.
Aus diesem Blick auf Jesus ist auch die Organisierung der 400 sogenannten “ungehorsamen Priester” entstanden.
Das Evangelium von Jesus, dem Guten Hirten, muss auch Maßstab und Richtung für jeden Priester sein. Aber am Hirtenamt, am Priesteramt haben alle Anteil, durch Taufe und Firmung. In diese Richtung wird noch manche Reform notwendig sein.
Ihr Donaucitypfarrer
P. Albert Gabriel

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Lieber Pastor Albert, liebe Gemeinde der Donaucity,
wir, 2 Ehepaare aus Norddeutschland, waren am Sonntag (29.04)in Eurem Gottesdienst. Leider haben wir “unseren” Pastor Albert nicht kennengelernt, haben uns aber sehr über die Gemeinschaft mit anderen Christen im Gottesdienst und danach beim Gespräch mit einer Tasse Kaffee gefreut. Schön wenn man in einer Kirche so willkommen ist, auch wenn man nur Gast oder Tourist ist und auch nicht katholisch.
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Gemeinde weiterhin Gottes reichen Segen und noch viele gesegnete Jahre (und dann irgendwann einen Nachfolger der diese offene Arbeit fortsetzt.
In diesem Sinne, in Jesu Liebe verbunden.
Holger
Lieber Pater Albert! Lieber Albert!
Herzliche Glückwünsche zu Deinem 50jährigen Priesterjubiläum!
Schade daß ich, daß wir davon nichts gewußt haben, sonst hätten wir alten Burschen vom “Club Ludwig van”, die wir doch auch ein kleiner Teil Deines Priesterwirkens waren, uns auf den Weg gemacht.
Es war eine schöne Zeit damals in der Apostelpfarre. Du hast uns in Deiner Energie, Deiner Modernität, Deiner Seelsorge eine schöne Zeit abseits von Wirtshaus und eventuell Drogen ermöglicht.
Gut, Kindergärtnerinnen aus der Ettenreichgasse, die oft bei uns im Club zu Besuch waren, haben diese Zeit, abseits von “Meditationsmessen” – Concerto de Aranjuez von Rodrigo liebe ich heute noch – noch ein bißerl spannender gemacht.
Jedenfalls habe ich, wahrscheinlich wir alle, eine sehr schöne Erinnerung an diese Zeit.
Gerade in Zeiten in denen über Priester, die mit Jugendlichen zu tun hatten, oft zu Recht hergezogen wird und damit auch politisch durchsichtig, über die, unsere Kirche, bleibst Du uns als Jugendseelsorger in lieber Erinnerung.
Auch eine Sonntagspredigt, in der Du die Gläubigen aufgefordert hast, öfters in aller Demut “Mein Herr und mein Gott! zu sagen, zu beten, bleibt mir in Erinnerung.
Noch heute kann ich ohne diesen Spruch an keinem Wegkreuz, keinem Marterl, keinem Kruzifix vorbeigehen.
Ich weiß schon, daß ich Dich oft geärgert habe. Es war aber immer eher im Sinne eines “Advocatus diaboli”. Ich war eh auf Deiner Seite, aber ich liebte es halt auch, immer alles zu hinterfragen.
Ich bin Dir auch nicht böse, nie gewesen – weißt eh wofür. Hast eh recht gehabt! – außer mit dem Dreier im Maturazeugnis!
Wie hättest Du gesagt?
“Es segne Dich trotzdem der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!”
Ich wünsche Dir jedenfalls weiterhin alles Gute, Glück und vor allem Gesundheit!
Alles Liebe
“Fisch” – Rupert