Gedanken zum 30. Sonntag im Jahreskreis

24. Oktober 2011
von czog

Gottesliebe – Nächstenliebe (zu Mt. 22, 34-40)

Leute stellten Jesus die Frage: „Was ist das Wichtigste an der Religion?“

Die Mehrheit von uns wird sagen: „die Nächstenliebe!“

Jesus antwortet aber: „die Gottesliebe, mit ganzem Herzen, mit ganze Seele“ und dann erst: „Ebenso wichtig ist die Nächstenliebe“.

Im Kern ist das bei allen Religionen so. Neu bei Jesus ist die enge Verknüpfung dieser beiden Gebote, keine Gottesliebe ohne Nächstenliebe und keine Nächstenliebe ohne Gottesliebe.

Worin besteht nun diese Gottesliebe? Primär besteht sie daraus, sich von Gott lieben zu lassen! Wie ein Kind sein!

In unserer Kirche gibt es zwei Bücher. Vorne am Lesepult das Evangelium – es verkündet uns Gottesliebe. Und in den Sitzbänken das Gotteslob – darin steht unsere Antwort: Beten, Singen, Feiern. So wird die Gottesliebe handgreiflich, glaubwürdig und hörbar – in beiden Richtungen.

Dazu kommt die Nächstenliebe – sie ist der Gottesliebe ebenbürtig. Auch in der Nächstenliebe geht es primär darum, sich lieben zu lassen! Das heißt: offen und bereit sein, füreinander. Und die Antwort ist: Interesse füreinander, auch über den Kirchturm hinaus. Kennzeichen der Christen in der Urkirche war: „Seht, wie die einander lieben“.

Damit Kirche glaubwürdig ist, gibt es von ihr die verschiedensten Ideen und Programme für Hilfe über den Kirchturm hinaus, z.B. den heutigen Weltmissionstag.

Im Bereich Mission hat sich in den letzten 50 Jahren viel geändert. Ging es früher eher darum, die Heiden von ihren Religion abzubringen und sie zum Christentum zu bekehren, so geht es heute mehr um gegenseitige Bereicherung und Abbau verkehrter Einstellungen z. B. Heidenangst, Gewalt und Ausgrenzung (Kranke, Frauen) .

Früher stand Kirchenbau in Vordergrund, heute Bau von Schulen, Spitälern, Krankenstationen, Gemeindezentren, Kinderheimen. So auch unser Donaucity-Kirchenprogramm für Albanien. Das macht Kirche glaubwürdig und anziehend.

Früher gingen viele Missionare von uns dorthin, heute kommen vielfach Priester und Schwestern zu uns. Sie bilden eine lebendige Brücke zu den ehemaligen Missionsländern und fördern auch stark die finanzielle Hilfe zu ihrem Herkunftsland.

Daher sind wir eingeladen, diese geistige Brücke zu pflegen und finanzielle Hilfe zu leisten.

Die Globalisierung der Kirche ist eine erstaunliche Entwicklung. Die Kirche ist der größte „Globalplayer“ der Welt. Der Staat Österreich leistet einen sehr geringen Anteil an Entwicklungshilfe, die privaten Spenden sind aber erfreulich hoch – vor allem vom Kirchenvolk.

DANKE sagt Ihnen

P. Albert

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Ein Kommentar zu “ Gedanken zum 30. Sonntag im Jahreskreis ”

  1. Eva Kohl am 26. Oktober 2011 um 20:47

    Christus gibt uns zwei Sätze mit auf den Weg: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.(Mt 22,37) und Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Mt 22, 39).

    Ich kämpfe aber schon seit meiner Kindheit damit, dass bei dieser “Münze mit zwei Seiten” – Gottesliebe und Nächstenliebe – nur all zu oft der Münzrand, die Fassung – “wie dich selbst” – vergessen wird:

    Im Alltag sehe ich mich oft zwei Extremen gegenüber – dem blanken Egoismus bzw. der reinen Egozenztrik einerseits und andererseits aufopfernder, selbstvergessender Nächstenliebe, die nicht selten in eine unnötige und sinnlose Märtyrerrolle verfällt.

    Wir als Christen sind ganz besonders aufgefordert, unseren Mitmenschen Liebe erfahrbar zu machen. “Seht wie sie einander lieben” – wie schon sonntags in der Predigt betont, hat man daran die Urchristen erkannt. “Liebt einander, wie ich Euch geliebt habe” hat auch Christus uns beauftragt. Aber diese Liebe kommt nicht aus uns heraus, sie entsteht daraus, dass wir Gottes Liebe an uns erfahren haben. Und uns selbst zu vernachlässigen, das würde bedeuten, dass wir die Liebe und das Glück, das Gott uns immer wieder schenkt, nicht annehmen bzw. geringschätzen würden.

    Liebe zum Nächsten wie zu uns selbst, das sollte aussehen wie bei liebevollen Eltern: den Kindern mit wachsamem und warmem Blick begegnen und ihnen geben, was sie brauchen und was ihnen gut tut, aber dabei uns selbst auch im Sinn der Kinder zu erhalten. Nicht dafür zu sorgen, dass sie statt uns ein gutes Leben führen können, sondern darauf Acht zu geben, dass sie mit uns ein gutes Leben führen.

    Oder um es von der Psychologie her zu sehen: Nächstenliebe völlig ohne Eigenliebe mündet im Extremfall in Märtyrerambitionen und im schlimmsten Fall in Masochismus. Wer sich selbst akzeptiert weiß und selbst akzeptieren kann, sich geliebt weiß und selbst liebt, der kann (und soll!) auch wahrhaft andere lieben.

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