Gedanken zum Sonntag: Caritassonntag
Fast täglich wird uns im Fernsehen die Katastrophe in Pakistan serviert. Und immer kommt auch der Hinweis zu helfen.
Engstirniges Denken argumentiert: Pakistan ist doch ein muslimisches Land und voll von Taliban. Sollen doch die reichen muslimischen Scheichs von Kuwait, Dubai und Saudi-Arabien ihren Glaubensbrüdern helfen.
Mutter Theresa von Kalkutta, deren 100 Geburtstag am 26. August war, hatte eine andere Meinung und Praxis.
Sie ist nicht einfach über die Elendsgestalten, die auf den Gehsteigen von Kalkutta lagen, kopfschüttelnd oder schulterzuckend vorübergegangen, sondern hat sich niedergekniet, ihnen den Kopf gehalten, ihnen beim Sterben geholfen. Allmählich organisierte sie eine Halle neben einem Hindutempel als Sterbehalle, sie gab den Sterbenden noch Stunden oder Tage voll Liebe und Zuwendung oder pflegte sie wieder gesund.
Großartig, wie sich Helferinnen aus der ganzen Welt einfanden, ein eigener Orden einstand – die weißen Schwestern mit dem blauen Streifen. Sie sind überall zu finden, wo Not herrscht, auch in Wien. Sie akzeptieren keine Grenzen von Religion, Nation oder Verdienst. Mutter Theresa und ihr Orden sind spektakuläre Zeichen für den Mehrwert der christlichen Religion.
Caritas macht christliche Religion handgreiflich, glaubwürdig und spürbar. Das ist natürlich ein Appell an meine eigene christliche Religiosität. Eine karitative Tat ist wie ein Vitaminstoß für meinen Glauben. Ist vielleicht unsere seichte Gläubigkeit eine Folge von karitativer Müdigkeit?
Davon überzeugt ist Ihr Donaucitypfarrer
P. Albert

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Ihr Satz “Sie akzeptieren keine Grenzen von Religion, Nation oder Verdienst” hat mich dann doch etwas irritiert. Es ist ja allgemein bekannt, dass Mutter Theresa zu Anfang ihrer Tätigkeit heftiger Anfeindung der lokalen Größen ausgesetzt war. Nicht anders zu erwarten, weil ja früher die Vertreter des Christentums – oder was der simple Inder dafür halten musste – recht forsch in Indien einfielen. Ein ganzer Subkontinent wurde über Jahrhunderte von “Christlichen” dominiert. Das mindert die Leistung der Mutter Theresa nicht. Weil sie es ganz höchstpersönlich von unten anging. Es gibt Dinge, die darf man nur sagen, wenn man das genauso höchstpersönlich auch tut.
Mit der Caritas im eigenen Land ist das auch so. Sowohl was die Wahrnehmung der lokalen Bevölkerung betrifft, als auch was uns Jesus Christus bestimmt hat.